Korallenriffe 101 › Warum sind Korallenriffe wichtig?
Biologische Vielfalt
Unter Biodiversität versteht man die Vielfalt der Lebewesen, die an einem bestimmten Ort vorkommen. Viele sind der Ansicht, dass Korallenriffe die größte Biodiversität aller Ökosysteme auf der Erde aufweisen – sogar mehr als ein tropischer Regenwald. Obwohl sie weniger als ein Prozent des Meeresbodens bedecken, beherbergen Korallenriffe mehr als 25 % aller Meereslebewesen.
Warum ist das wichtig? Ein Ökosystem mit großer Artenvielfalt, also eines, in dem viele verschiedene Arten vorkommen, ist oft widerstandsfähiger gegenüber sich ändernden Bedingungen und kann erheblichen Störungen besser standhalten.
Jede Art erfüllt im Ökosystem eines Korallenriffs ihre eigene Funktion. Einige sind Pflanzenfresser und haben sich auf den Verzehr verschiedener Algenarten spezialisiert, wodurch sie verhindern, dass die Korallen von ihren potenziell tödlichen Konkurrenten erstickt werden. Andere, wie Haie, Zackenbarsche und andere Raubfische, sorgen dafür, dass die Bestände kleinerer Fische und anderer Organismen im Gleichgewicht bleiben.
Papageienfische fressen tatsächlich das Riff selbst. Sie kratzen an den Korallen, um an die kleinen Algen (Zooxanthellen) zu gelangen, die im Inneren der Korallenpolypen leben, zermahlen dann das Korallenskelett mit Zähnen in ihrem Rachen und scheiden es als Sand aus. Diese wunderschönen, weißen Sandstrände? Das haben wir den Papageienfischen zu verdanken.
„Putzfische“ (und Garnelen) sorgen für die Gesundheit anderer Fische, indem sie diese von Parasiten befreien, während Krabben und Seegurken umherkrabbeln und Abfälle am Riff und auf dem Meeresboden aufsammeln und beseitigen.
Selbst Meereswürmer und Schnecken spielen eine wichtige Rolle im Ökosystem des Riffs. Würmer filtern organische Stoffe aus dem Wasser und den Sedimenten, während Schnecken wie Napfschnecken und Trompetschnecken Algen abweiden. Die Schnecken dienen manchmal den Seesternen als Nahrung – während Seesterne wiederum von Riesenschnecken gefressen werden können! Andere Lebewesen aus der Familie der „Stachelhäuter“ (Echinodermen) – wie Federsterne und Korbsterne – fangen Plankton aus der Strömung ein.
Seeanemonen – wie die Clownfisch-Anemone – haben symbiotische, also für beide Seiten vorteilhafte Beziehungen zu Fischen und Krabben aufgebaut. Die Seeanemonen bieten den Fischen und Krabben Schutz und Unterschlupf, während die Fische und Krabben im Gegenzug die Anemonen schützen. Zu den Tieren, die dabei helfen, das Wasser am Riff zu filtern und zu klären, gehören Seescheiden und Salpen („Manteltiere“) sowie Riesenmuscheln (Weichtiere), die Phytoplankton herausfiltern und fressen. Und selbst primitive Tiere wie Seeschwämme sind wichtig für die Gesundheit des Riffs, da sie in ihren verschlungenen, wasserführenden Kanälen Lebensraum für Krebstiere, Meereswürmer und Jungfische bieten und auf ihren komplexen Oberflächen Seepocken und winzigen Weichtieren einen Lebensraum schaffen. Sie sind zudem „Recycler“ – sie nehmen Nährstoffe auf, die sie aus dem Wasser filtern, und produzieren Abfallprodukte, die vielen anderen Rifftieren als Nahrung dienen. Schwämme selbst werden zur Nahrung für Nacktschnecken, Seesterne, Schildkröten und Fische. Und auch für den Menschen sind sie wertvoll, da sie vielfältige chemische Verbindungen produzieren, die für die Entwicklung von Humanarzneimitteln erforscht werden.
